Montag, 31. Oktober 2016

"Vision von einer Strategie zum Schutz der Bevölkerung"

Ende letzter Woche wurde der etwas ausführlichere Bericht von der Jahrestagung der Reservisten der Bundeswehr veröffentlicht.
Verbandspräsident Oberst d.R. Oswin Veith, MdB, hat dort seine Hoffnung formuliert, dass "bis 2026 in jedem Bundesland ein Landesregiment mit einem charismatischen Kommandeur, einer Truppenfahne und einem Verband zwischen 800 und 2000 Reservisten zur Unterstützung von Polizei und Bundeswehr in Notlagen vorhanden ist."



Es begann mit einer Vision. Deutschland im Jahr 2026. „Wir leben in einer Zeit hoch komplexer Bedrohungen und rascher Lageveränderungen“, sagte Verbandspräsident Oberst der Reserve Oswin Veith, MdB und unterstrich weiter: „Das erfordert, dass wir unser Denken anpassen und vielleicht auch mal einen Schritt weg vom Geländer wagen müssen.“ Das tat er dann auch: Der Vielzahl an vielschichtigen Krisen und Konflikten, an multidimensionalen Bedrohungen werde Deutschland begegnen müssen. Die Schutzbedürftigkeit der Menschen habe dabei oberste Priorität. „Ich träume davon, dass 2026 in jedem Bundesland ein Landesregiment mit einem charismatischen Kommandeur, einer Truppenfahne und einem Verband zwischen 800 und 2000 Reservisten zur Unterstützung von Polizei und Bundeswehr in Notlagen vorhanden ist“, sagte der Bundestagsabgeordnete.
Ob und in welchem Umfang diese Vision einmal Realität werden wird, bleibt abzuwarten. Für ihre Verwirklichung dürften einige ganz maßgebliche Veränderungen im Lande eintreten müssen.

Die Akzeptanz für einen Einsatz der Bw und insbesondere auch deren Reserve im Innern müsste bei der Politik -nicht bei der Bevölkerung, da dürfte sie mit großer Mehrheit bereits vorhanden sein- erkennbar reifen.
Solange nicht die Erkenntnis einsetzt, dass der Einsatz von gut ausgebildeten Reservistenverbänden nicht nur in Ländern wie bspw. den USA oder Frankreich einen erheblichen Mehrwert für das Land mit sich bringt, wird sich die Entwicklung der deutschen Reserve wohl eher entgegen der erhofften Richtung bewegen.

Der aktive Reservist ist heute bekanntlich kein automatisch nachwachsendes Gut und damit unerschöpfliche Resource mehr, sondern vielmehr ein zwar leistungsbereiter, aber auch selbsbewusster Zeitgenosse, der gefordert, aber auch gefördert und insbesondere auch ernst genommen werden möchte. Keineswegs ist er mehr ein Bittsteller, der sich je nach Belieben von BAPersBws Gnaden bei Bedarf einfindet!

Um erneut nennenswerte Heimatschutzverbände aufbauen zu können, wird man die knapper werdende Resource 'Reservist' gezielt durch engagierte Ungediente ergänzen müssen. Hierfür bedarf es gezielt öffentlicher Werbekampagnen. Das nahezu ausschließliche Begehen immer wieder derselben ausgetreten eigenen Wege des VdRBw reicht IMHO nicht aus.
Entsprechend ausreichende Ausbildungskapazitäten müssten dann zeitgleich zur Verfügung stehen. Ebenso eine Verwaltung, die bereit und in der Lage ist, die Bereitwilligen angemessen zu begleiten. Mit Amtsschimmeln gewinnt man heutzutage keine Leistungsträger mehr, sondern verprellt sie!

Grundsätzliches Potential meine ich auch darin zu erkennen, dass sich z.B. Mannschaftssportarten, wie Airsoft, PaintBall und LaserTag zunehmender Popularität und Ausbreitung erfreuen. Airsoft wird hierzulande von den einschlägigen politischen und medialen Meinungsmachern zwar unverändert hartnäckig als in höchstem Maße politisch unkorrekt verurteilt, ist aber bspw. in den USA, England oder auch Japan anerkannte Sportart.
Nach allem was ich bisher sachlich (nicht ideologisch) zu dem Thema gehört, bzw. gelesen habe, treffen sich da Gediente und Ungediente regelmäßig, um  durchaus ernsthaft ihrem sportlichen, taktischen Hobby nachzugehen.
Waffen und Ausrüstung sind nicht billig, die Wege ins benachbarte Ausland, wo große Airsoft-Events stattfinden können, ohne dass weite Teile der jeweils heimischen politischen 'Elite' an Schnappatmung zu Grunde gehen, weit.

Ein weiteres Indiz dafür, dass zumindest Teile der Jugend eben nicht nur noch in der Lage sind, "am PC zu ballern", sondern bereit sind, sich real in der Tiefe des Raumes quasi-militärisch zu bewegen und betätigen, sehe ich auch darin dass die Industrie zwischenzeitlich ein Riesenangebot an täuschend echt aussehenden Airsoft-Waffen bereitstellt. So gesehen bei der Waffenausstellung IWA in Nürnberg im Frühjahr.

Lange Rede, kurzer Sinn. Es scheint allen Unkenrufen zum Trotz ein Interesse an militärischer Betätigung im Lande zu geben. Dies gilt es in geeigneter Weise anzuzapfen. Würde mich sehr wundern, wenn da nicht Interessierte einer sinvollen ... oder sagen wir ... sinnvolleren Beschäftigung zugeführt werden könnten ;-)

So neu generierte, aber auch bereits existierende Heimatschutzbestände werden aber auf Sicht als Dienende nur zu halten sein, als sie sich von der Bundeswehr, insbesondere aber der Politik, ernst genommen fühlen und das nicht nur in Form von Lippenbekenntnissen.

Das wird solange eher nicht der Fall sein, wie Reservisteneinsätze, von Grabpflege- und Flüchtlingseinsätzen einmal abgesehen, immer wieder eher verschämt und versteckt vor der öffentlichen Wahrnehmung (exceptions may occur), denn öffentlich anerkennend, stattfinden (müssen).
Und das wird möglicherweise auch auf Dauer nicht wirklich gelingen, solange bspw. top-ausgebildete (nicht nur praktisch, sondern auch rechtlich) Sicherungskräfte noch nicht einmal mit Eigensicherungsmaßnahmen versehen, gleichsam mit heruntergelassenen Hosen, in nächtliche Sicherungseinsätze geschickt werden!

Hierfür ist wie gesagt ein erhebliches politisches Umdenken erforderlich, das derzeit nicht in Sicht ist.
Trotzdem -oder gerade deswegen- sollte der Reservistenverband sehr viel selbstbewusster auftreten, will er nicht irgendwann in der Bedeutungslosigkeit versinken. Zum Beispiel bei der Forderung nach einer wieder für Arbeitgeber ohne Wenn und Aber verbindlichen Heranziehung von beorderten Reservisten

Die ganz überwiegende Zahl der Leser dieses Beitrages wird sich denken: "Träum' weiter, OSG!". Aber da halte ich es wie unser Verbandspräsident, man muss auch Träume haben .....


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Aufgefallen:

Wirtschaftswoche: " In der Türkei passiert ungeheuerliches: Ein NATO-Mitgliedsland wird zur islamistischen Diktatur und rüstet sich für den Bürgerkrieg. Die Reaktion des Westens dagegen ist jämmerlich."

FAZ: Erdogan erhebt Anspruch auf irakisches Mossul

Augen Geradeaus: Erstmals „Kampfretter“ in Afghanistan im Einsatz

N-TV: Bundeswehr plant Cyber-Reservestreitkräfte

Bundeswehr Classix: Handstreich Häuserkampf - Bundeswehr (1977)



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TV-Tipp Montag:

Tele 5:     2015 - 2200: The Blair Witch Project (Horror)


Kabel 1:  2015 - 2245: Real Steel - Stahlharte Gegner (Action mit Hugh Jackman)

               0100 - 0230: Bloodsport
                                   (Martial Art Action mit Jean-Claude Van Damme)

Phoenix: 2015 - 2100: Katharina von Bora (Doku)

               2100 - 2145: Thomas Müntzer (Doku)


TV-Tipp Dienstag:

PRO 7: 2015 - 2300: Flight (Psychodrama mit Denzel Washington)

            2300 - 0135: Shutter Island (Psychothriller)

3SAT:   2300 - 0110: Das Attentat – Sarajevo 1914  

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