Montag, 24. Oktober 2016

Neufassung der Verfahren zur Feststellung der Dienstfähigkeit von Reservisten in Kraft



Während meines Urlaubs ist es also geschehen. Die Veröffentlichung des Sanitätsdienstes über das "Inkrafttreten der Neufassung der Verfahren zur Feststellung der Dienstfähigkeit von Reservisten" ist am 13.10. erfolgt und wurde von einem aufmerksamen Kameraden (und Verbandsfunktionär) wohl mehr oder weniger zufällig am 17.10. entdeckt.

Der erste Kommentar in der RSU-FB-Gruppe: "Kommt recht spät!", beschreibt zurückhaltend das, was vermutlich viele Kameraden -nicht nur der RSUKr- denken. Für Einige kommt das möglicherweise auch deutlich zu spät.


Generaloberstabsarzt Dr. Tempel und Oberstarzt Dr. Fiedler bei der Unterzeichnung (Quelle: Sanitätsdienst der Bundeswehr/Markus Dittrich) 


Man müsste das erwähnte "Kapitel 4 aus der A1-831/0-4000 'Wehrmedizinische Begutachtung von Reservistendienst Leistenden' " mal im Einzelnen sehen, bzw. entsprechende Kommentierungen involvierter Institutionen und/oder für die Reserve zuständiger Bw-Offizieller abwarten, aber es scheint das zu sein, was seit Jahren gefordert wurde. Eine Erleichterung und insbesondere zeitliche Streckung der regelmäßigen Überprüfung der medizinischen Tauglichkeit beorderter Reservisten.

Ich persönlich erkenne mit einem von 1 auf 3 Jahre erweiterten Intervall allerdings allenfalls ein Minimalzugeständnis an die Reserve. Aber immerhin, es bewegt sich etwas. Das verdient Respekt und Anerkennung gegenüber denen, die sich dafür eingesetzt haben. Der erhoffte 'große Wurf' scheint es dennoch nicht zu sein.

Mir fällt dabei die Antwort eines hohen Stabsoffizieres vor längerer Zeit auf die Frage ein, wann er denn zum letzten Male einer medizinischen Überprüfung zum Zwecke der Feststelllung seiner Dienstfähigkeit unterzogen wurde. Die Antwort kam direkt: "Bei meiner Musterung in den 70ern", um dann zu korrigieren: "Nein, Korrektur, bei meiner Verpflichtung zum Berufssoldaten" (Anm.: ebenfalls Jahrzehnte zurückliegend).

Hier der Text der Veröffentlichung: 

Neuerungen

Grundsätzlich wird nun bei dienstfähig entlassenen Reservistinnen und Reservisten im Rahmen einer Regelvermutung vom Fortbestehen dieser zuletzt festgestellten Dienstfähigkeit ausgegangen.
Grundlage für diese Feststellung ist die letzte in den Gesundheitsunterlagen dokumentierte Verwendungsfähigkeits- bzw. Grunduntersuchung.
Sind seit dem Ausscheiden aus dem Wehrdienst oder dem letzten Reservedienst mehr als zwei Jahre vergangen, erfolgt vor der Heranziehung eine Anhörung der Reservistin bzw. des Reservisten durch das zuständige Karrierecenter der Bundeswehr (KarrC Bw). Dabei soll geklärt werden, ob zwischenzeitlich eine gesundheitliche Veränderung mit zu vermutender Auswirkung auf die Dienstfähigkeit eingetreten ist.
Sollte dies der Fall sein, entscheidet der zuständige Ärztliche Dienst des KarrC Bw über das weitere medizinische Vorgehen.

Weniger ist das neue Mehr

„Bei einem Reservistendienst ohne körperliche Belastung, wie beispielsweise einer reinen Stabsdienstverwendung, wird die Begutachtung auf eine truppenärztliche Befragung begrenzt“, erklärt Oberstarzt Dr. Rüdiger Fiedler, der maßgeblich an der neuen Verfahrensweise mitgewirkt hat.
Bei einem Reservedienst mit körperlicher Belastung ist eine Begutachtung auf Verwendungsfähigkeit durchzuführen, wenn die letzte Grunduntersuchung bzw. Verwendungsfähigkeitsuntersuchung mehr als drei Jahre zurückliegt. Über den Untersuchungsumfang entscheidet die zuständige Truppenärztin oder der zuständige Truppenarzt unter Berücksichtigung der vorgesehenen Verwendung. Erfolgte die letzte Verwendungsfähigkeitsuntersuchung bzw. Grunduntersuchung innerhalb der letzten drei Jahre, ist die Begutachtung grundsätzlich auch auf eine truppenärztliche Befragung zu begrenzen.

„Mit dieser Anpassung der wehrmedizinischen Begutachtung wird der Aufwand für alle Beteiligten begrenzt. Den veränderten Anforderungen an die Reservistendienst Leistenden wird Rechnung getragen“, erklärt Oberstarzt Dr. Fiedler. „Denn bei fehlender körperlicher Belastung und Verwendung in rein administrativer Verwendung während eines Reservedienstes können andere Maßstäbe zur Anwendung kommen, als z.B. bei einem jungen Menschen in einer Kampftruppenverwendung.“
Auch die Eigenverantwortung wird gestärkt. Denn der „neue Auftrag“ für die Reservistendienst Leistenden lautet: Für die korrekte Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes im Rahmen der Befragung oder der abzugebenden Erklärung sind sie nun ein Stück mehr selbst verantwortlich.
  
Und hier einige nicht offizielle Kommentare von Kameraden, die entweder unmittelbar involviert waren, oder doch zumindest dank eines besseren Einblicks das Geschriebene besser zu interpretieren wissen, als bspw. ich Uneingeweihter (hier allerdings jeweils aus dem Diskussionszusammenhang gerissen):

  1. Es gibt ab sofort nur noch anlassbezogene, im Umfang angepasste Untersuchungen. In sehr vielen Fällen wird eine reine Befragung ausreichen, vor allem für RDL ohne körperliche Belastung. Die Ergebnisse von KC und TrArzt werden wechselseitig anerkannt. Für Stabsbären ist ein Anforderungssymbol F 205 unterschriftsreif, da gibt es dann nahezu keinen Ausschluss mehr für Menschen, die einfach älter geworden sind ... Es tut sich was!
  2.  
    Doch, es geht auch um den laufenden Betrieb. Für RSUKr ist wohl relevant:
    "Bei einem Reservedienst mit körperlicher Belastung ist eine Begutachtung auf Verwendungsfähigkeit durchzuführen, *wenn die letzte Grunduntersuchung bzw. Verwendungsfähigkeitsuntersuchung mehr als drei Jahre zurückliegt*."
    Das heißt: alle drei Jahre muss begutachtet werden, wobei je nach tatsächlicher Verwendung gilt:
    "Über den Untersuchungsumfang entscheidet die zuständige Truppenärztin oder der zuständige Truppenarzt unter Berücksichtigung der vorgesehenen Verwendung."
    Das heißt, dass der TrArzt unterschiedliche Kriterien ansetzen sollte in Bezug auf die Tauglichkeitsmerkmale. "Erfolgte die letzte Verwendungsfähigkeitsuntersuchung bzw. Grunduntersuchung innerhalb der letzten drei Jahre, ist die Begutachtung grundsätzlich auch auf eine truppenärztliche Befragung zu begrenzen."
    Das klingt doch sehr eindeutig und erleichtert die Einschleusung innerhalb dieser drei Jahre ungemein.
  3. Es ist aber so gedacht, dass nicht ein grosses Routineprogramm abgearbeitet werden soll mit sinnlosen Untersuchungen, was die eigentliche Fragestellung anbelangt. Ganz gezielt soll z.B. geprüft werden, ob der RDL den Bagger fahren kann - ob er schnell rennen kann oder Jucken zwischen den Zehen spürt ist dabei uninteressant. So gewinnen beide Zeit und vermeiden Aufwand: der RDL u der Arzt. Ok?
  4. Vor einer Beorderung in der RSU muss man nach wie vor zum KC.
    Aber dannach wird das Leben für uns jetzt wesentlich leichter.
    Das nach 3 Jahren ist nicht zwangsläufig ein kompletter  90/05er, wie wir ihn kennen. Wir melden nun X Mann an und der Arzt entscheidet was er für erforderlich hält. Theoretisch könnte er z.B. entscheiden, dass der Fargebogen ihm reicht. Eine abgespeckte Version des bisherigen 90/5-Prozederes ist jedenfalls zu erwarten.
Es sieht also ganz danach aus, als ob die Truppenärzte in der Fläche einen deutlich größeren Ermessensspielraum erhalten haben. Wie dies letztlich in der Praxis gelebt wird und ob nicht doch weiterhin bei der Eingangsuntersuchung bspw. in jahrzehntealten, lange ausgeheilten, Alterkrankungen und -verletzungen bis zum Exzess herumgebohrt wird und Ähnliches, bleibt abzuwarten.

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Aufgefallen:

PEX:  Von der Leyen bekräftigt Bedarf an fünf Korvetten für die Marine

BMVg: Ursula von der Leyen eröffnet erstmalig Jahrestagung der Reserve der Bundeswehr (Anm.: Jede Menge Fotos gibt es hier )


Oberst a.D. Joachim Sanden, VdRBw-Landesvorsitzender RP, 
bei der Jahrestagung der Reserve am 21.10.2016

BMVg: Ministerin: Reservisten machen einen „fabelhaften Dienst“

Deutscher Bundeswehr Verband: „Die Rekruten“: Neue Nachwuchs-Kampagne der Bundeswehr

Augen Geradeaus: Unsere blauen Jungs jagen Putins Flugzeugträger!

WELT/N24: Putins Flugzeugträger ist ein marodes Dampfschiff

Augen Geradeaus: Streit um deutschen Einsatz in Incirlik: Die nächste Runde?  (Anm.: Auch das ist sicherlich erklär- und damit akzeptierbar!)

Augen Geradeaus: Sanitäter bei der Volksbefreiungsarmee


NWZ Online: Brand In Bremen 15 Bundeswehr-Fahrzeuge in Flammen 


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TV-Tipp Montag:

Kabel 1: 2015 - 2245: The Matrix Revolutions (SciFi-Action)

              2245 - 0055: Equilibrium (SciFi-Thriller)

ARTE:    2015 - 2215: Dame, König, As, Spion (Geheimdienstkrimi)

              2215 - 0005: Der Spion, der aus der Kälte kam (Agententhriller)     

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