Donnerstag, 15. September 2016

Die aktuelle .loyal: "Der Terrorismus ist der Preis unserer offenen, freien Gesellschaft"

Das Folgende hat ganz übewiegend nichts mit den RSUKr zu tun, jedoch dem Verband. Genauer mit der gerade vorliegenden Verbandszeitung .loyal (#9/2016). Selbstverständlich handelt es sich um meine persönliche, unmaßgebliche Meinung.

Leider komme ich nicht mehr in dem Maße dazu, unsere unverändert sehr gute Verbandsmitteilung zu studieren, wie ich das früher gewohnt war. Was nicht heißt, dass das Heft nicht sofort nach Klappern des Briefkastens eines Primärscans unterzogen wird (was machen die Rheinland-Pfälzer; hat sich Prof. Lender, einer der wenigen, der neben M. Seliger bereit ist, Klartext zu reden, aktuell zu Wort gemeldet; was bringt das Editorial, was der Leitartikel?). Etwas später -i.d.R im Rahmen meiner täglichen mehrstündigen Bahnfahrten- nehme ich das Magazin dann etwas genauer unter die Lupe:




Etwas enttäuscht hat mich die Aussage unseres neuen, sich auf Seite 3 des Heftes vorstellenden, Verbandspräsidenten, MdB Oberst d.R. Oswin Veith, der einerseits "den Einsatz der Bundeswehr im Innern als historisch gut begründetes Tabu" anspricht und andererseits "den gesetzlichen Rahmen (gemeint ist natürlich der grundgesetzliche) für Unterstützungsleistungen der Bw ... für ausreichend" erachtet.
Natürlich kann man diese Meinung sehr gut vertreten, zumal sie der herrschenden politischen und leitmedialen entspricht - ich teile sie nicht.

Dass die Väter unserer Verfassung, restlos traumatisiert von zwei Weltkriegen, gute Gründe darin sahen, alles, was auch nur nach Militär roch, möglichst weit wegzuschieben, kann man auch heute, mehr als zwei Generationen danach, gut nachvollziehen.
Nur ist das i) 60 Jahre her und wir leben in einer völlig veränderten Welt, wurde ii) das Thema wohlweislich nicht zu einem Verfassungsgrundsatz erklärt, der der Ewigkeitsklausel unterliegt, sondern durchaus anpassbar ist und kann mir iii) vermutlich niemand sinnvoll erklären, was einen verfassungstreuen bewaffneten Bundespolizisten von einem ebensolchen Kameraden der Bundeswehr unterscheidet!?

Möglichweise verstehe ich die Intention des Kameraden Veith auch gänzlich falsch, rät er doch dazu, "die Debatte über die Innere Sicherheit ... in der breiten Öffentlichkeit zu fördern" und nichts kategorisch auszuschließen, was im Ernstfall der Sicherheit unserer Bürger dienen kann ...".
Bleibt, dem neuen Verbandschef, dem VdRBw und letztlich uns Allen, ob organisiert oder nicht, zu wünschen, dass die seit Jahren beschworenen Bemühungen, die Arbeitgeber zu mehr Freistellungsbereitschaft zu bewegen, irgendwann fruchten. Ich glaube indes nicht daran. Zusätzliche "Motivation" für die AG-Seite tut Not. Allerdings sollte die ergänzend vom Gesetzgeber kommen!

Tatsächlich geärgert hat mich das Résumé des Leitartikels (Seite 10) des o.g. Chefredakteurs. Über die Ursachen, respektive Antriebe islamistischer Terroristen -vermittelt wird hier der 'kriminelle Psychopath', der 'krankhafte Ideologe', der 'Unzurechnungsfähige', der 'psychisch gestörte Unorganisierte', der 'sozial und ökonomisch Abgehängte", der mit dem 'verpfuschten Leben' oder einfach der 'Unzurechnungsfähige- kann man zweifellos geteilter Meinung sein. Mir persönlich ist diese Art der "Ursachenforschung" -nicht erst seit vorgestern- deutlich zu einseitig und dürfte mit einer ganz bestimmten Zielrichtung verbunden zu sein!

Dies aber auch noch in das zitierte Fazit münden zu lassen, "der Terrorismus ist der Preis unserer offenen, freien Gesellschaft", an den wir "uns wohl nicht gewöhnen können, mit dem wir aber wohl leben müssen" entspricht keineswegs dem Bild, wie ich mir eine wehrhafte Demokratie vorstelle. Zumindest bin ich nicht bereit, in übertragenem Sinne diesem Vorschlage zu folgen und ggf. meine Familie und mich auf Sicht ohne (politische) Gegenwehr willfährig zur Schlachtbank führen zu lassen!

Gut gefallen haben mir die ehrlichen Ausführungen von SG d.R. Martin Schlitt zum Thema IGF / KLF (S. 81) - und dies jetzt wirklich nicht, weil er Kompanieangehöriger unserer RSUKp RP ist!
 Ich zähle (Asche auf mein Haupt) leider auch zu den Angesprochenen, für die "IGF und KLF eher ungeliebte Themen sind". Klar halte ich mich fit, mache regelmäßig für mich persönlich den 12 km-Leistungsmarsch gemäß den Vorgaben der Bw und arbeite an meiner allgemeinen Fitness. Aber nur für IGF / KLF zusätzlich zu den zahlreichen RK- und RSU-Terminen auch noch einen Samstag oder Sonntag zu opfern, fällt mir schwer.
Der Vorschlag, gleichsam die 'Pflicht' mit einer 'Kür' (bspw. Abseilübung) zu verbinden, erscheint mir grundsätzlich ein guter Vorschlag von Martin zu sein und könnte die Akzeptanz fördern.


Kamerad Martin Schlitt (Landesbeauftragter IGF/KLF), hier rechts,  bei unserer  letzten Übung. Selbst begeisterter nationaler und internationaler Militärwettkämpfer.


Eine weitere interessante Zusammenstellung in besagter .loyal-Ausgabe ist der über die "Nationalgarden der Welt", die der VdRBw freundlicherweise verlinkt hat.
Wir dürfen wohl davon ausgehen, dass sich ein derart gleichermaßen in der Sache nützliches, wie gesamtgesellschaftlich sinnvolles Instrument in unserem Lande nicht durchsetzen wird. Zumindest sind z.B. gerade seitens des Verbandes keinerlei Bestrebungen in diese Richtung (dies zumindest einmal ernsthaft zu diskutieren) erkennbar. Das Bestreben, sich auch weiterhin geräuschlos in den gegebenen politischen und gesetzlichen Rahmen einzufügen, wird deutlich (s.o.).


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TV-Tipp Donnerstag:

Phoenix: 2015 - 2100: Wir sind die Angst - Der Verlust der inneren Sicherheit (Doku)

VOX:     2225 - 0110: Blood Diamond (Abenteuerdrama)

1 Kommentar:

  1. Solch einen blöden Spruch wie "der Terrorismus ist der Preis unserer offenen, freien Gesellschaft" kann man wohl nur dann formulieren, wenn man abseits des Geschehens und nichtbetroffen im Elfenbeinturm sitzt. Ich kann mir nicht ansatzweise vorstellen, dass Helmut Schmidt auf solch einen Gedanken gekommen ist, als er der Schleyer-Witwe gegenüber stand.
    Ebenso wenig kann man jährlich 3.500 Verkehrstote schulterzuckend hinnehmen und diese als "Preis für unsere Mobilität" bezeichnen.
    Auch habe ich mich heute über die Aussage des Bundesinnenministers gewundert, dass es derzeit kein vorstellbares Szenario gäbe, bei dem die Bundeswehr benötigt würde und dass selbst komplexe Lagen von der Polizei alleine gemeistert werden könnten.
    Sein Wort in Gottes Ohr!

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