Dienstag, 10. Mai 2016

Nachricht von der Truppe: "Dann hole ich die Fahne ein!"


Unmittelbar vor meinem Aufbruch nach Thüringen erreichte mich folgende Email, die ich hier i.W. gerne bringen möchte. 
Wenn sich etwas zum Besseren ändern soll, müssen die Dinge auf den Tisch - möglichst oft.

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Hallo Michael,

ich möchte Dir mal danken für die Arbeit die Du Dir machst mit dem Blog. Es ist sicher nicht einfach Beruf, Familie, RSU und den Blog unter einen Hut zu bringen. Meinen Respekt dafür. Ohne den Blog wäre der Informationsfluss, was die RSU angeht, nicht so gut aufgestellt.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sich um fast alles selbst kümmern muss. Das fängt an mit der Beschaffung von Ausrüstungsgegenständen auf der Standortverwaltung. Da fährt man mitunter 2-3 mal hin, nur um ein Uniformteil zu tauschen. Urlaub machen wg.90/5 usw. Aber das größte Problem ist, wie Du schon oft geschrieben hast, die Freistellung durch den Arbeitgeber.
Die Bundeswehr will RSU Kp aufstellen ... und es melden sich Freiwillige, die das übernehmen wollen, was in der heutigen Zeit nicht mehr selbstverständlich ist. Wir opfern mehrere Wochenenden -weg von der Familie- für die RSU-Sache ohne Bezahlung. Dann kommt eine RDL von 5 Tagen, weswegen wir uns dann auch noch mit dem Arbeitgeber auseinandersetzen sollen.
Die Bundeswehr will ja auch etwas  von uns. Dann soll sie bitteschön auch die Voraussetzungen schaffen. Ich habe zw. 1982- 1992 ca. 20 WÜ abgeleistet, teils mehrere in einem Jahr, damals alles ohne Probleme. Weil das damals gesetzlich geregelt war - der Arbeitgeber war dazu verpflichtet, einen freizustellen.
Ich bin in der RSUKp XY. Hier höre ich von den Kameraden überall das gleiche Problem. Man braucht sich dann nicht, wundern wenn bei einer 5 Tage RDL nur ca. 20-30 Kameraden antreten.
Ich arbeite im öffentl. Dienst. Gestern hatte ich einen Termin bei meiner Personalchefin wg. einer anderen Sache. Dabei habe ich sie mal gefragt, ob überhaupt oder wie das möglich wäre, kurzfristig abkömmlich zu sein in Sachen RSU ( Realeinsatz, Katastrophenfall) kurze Antwort: "besorgen Sie mir die Gesetzesgrundlage, dann ist das kein Problem. Aber ohne Gesetz keine Grundlage. Wenn der öffentl. Dienst schon Probleme macht, wie will man das in der Privatwirtschaft vermitteln.
Ich stehe nicht alleine mit dem Problem da. Wir haben Kameraden, die sind bei der Justiz, der Bahn, in Schulen. Überall werden nur Steine in den Weg gelegt. Ich habe Arbeitskollegen die winken bei dem Thema RSU ab. Sie scheuen die Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber.
Wenn sich nicht bald etwas ändert, sehe ich das Aus für die RSU. Die wenigen motivierten Kameraden werden  irgendwann die Uniform an den Nagel hängen, denn die Motivation lässt irgendwann nach, wenn nichts passiert.
Ich habe für mich entschieden, wenn ich nächstes Jahr für eine RDL wieder auf den Knien bei meiner Personalchefin anklopfen muss, (werde ich definitiv nicht tun) hole ich die Fahne ein und hänge meine Uniform an den Nagel.
Jetzt habe ich genug zu dem Tema geschrieben es ist aber überall das gleiche Problem.
Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg mit deinem Blog, denn er ist eine Bereicherung für unsere RSU Kameraden.

Mit kameradschaftlichem Gruß

SU d.R. (Name und RSUKp bekannt)

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Danke Kamerad, insbesondere für die offenen Worte, die ich autorisiert bin, hier zu veröffentlichen. Aber ganz besonders natürlich auch für das dicke Lob, das motiviert. Wenn ich auch befürchte, dies in naher Zukunft in der bisher gewohnten Weise nicht fortführen zu können.

Hier noch eine ergänzende Wortmeldung meines RSU-Kameraden OSG d.R. Rüdiger Jacoby. Danke dafür. Rüdiger ist dabei bekannt, dass z.B. das Arbeitsplatzschutzgesetz eine Härtefallregelung für Kleinstbetriebe vorsieht:

Da ich ja jetzt selbst Arbeitgeber bin und die Sache aus einer neuen Perspektive sehe, möchte ich auch ein paar Worte dazu schreiben.
In meinem Betrieb gibt es außer mir derzeit keinen Reservisten, dafür aber einen Feuerwehrmann der auch regelmäßig seine Tasche packt und zu einem Einsatz fährt wenn der Pieper geht, was ich natürlich auch unterstütze.
Von der betrieblichen Seite her, wir sind ein Kleinbetrieb mit 8 Mitarbeitern, ist das natürlich nicht immer einfach. Unsere Aufträge sind alles sehr knappe Terminaufträge, die wir mit voller Besetzung gerade so einhalten können. Das ist allerdings saisonal unterschiedlich.
Wenn ich mir vorstelle, dass ein Mitarbeiter in dieser Zeit auch noch 1-2 Wochen in einem Einsatz wäre, hätte ich intern massive Probleme, die Aufträge zu fertigen. Vorübergehend Ersatzpersonal zu finden ist fast unmöglich. Da würde auch eine geänderte Gesetzeslage nichts daran ändern. Ebenso verhält es sich im Krankheitsfall, welches ich gerade miterleben muss. Seit Wochen fehlt ein Mann und es gibt leider keinen Ersatz für Ihn. So wurde ich gezwungen mir einen neuen Mitarbeiter dazu einzustellen und es war überhaupt Glück, einen zu finden.
Früher hat man mit mehr Personal in einem Betrieb das gleiche produziert. Heute ist es so, dass mit immer weniger Personal noch mehr gemacht werden muss. Wenn dann noch ein Mitarbeiter weg ist, bedeutet das Stress für den Rest des Teams, das dann sicher auch kein Einsehen dafür hat und sich bei der nächsten Urlaubsplanung auch keinen Kopf mehr darüber macht, wie und ob die Arbeit dann noch zu schaffen ist.
Ich denke das betrifft sehr viele kleine und mittelständische Produktionsbetriebe. Für mich persönlich ist es noch schwieriger geworden, einfach mal so die Tasche zu packen und und loszuziehen. Hätte ich allerdings noch einen 2. Mitarbeiter der in der RSUKp Dienst täte, wäre es ohnehin unmöglich, dass auch beide zeitgleich unter der Woche weg wären!!

Allerdings stellen die Wochenenendblöcke kein Problem dar, da unser Betrieb von Freitags 14.30 Uhr bis Montags ruht und ich diese Blöcke als persönlichen Stressabbau sehe!!!

Viele Grüße

Rüdiger Jacoby
RSUKpRp

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Aufgefallen:

Via VdRBw: USG: April 2016: Änderungen für Reservisten (Anm.: Keine Ahnung, was "Übergangsgebührnisse" sind. Sicher weiß ich allerdings, dass ich kein ehemaliger Zetti bin. Es hört sich also nicht danach an, als ob für das Gros derer, die mit der neuen USG-Regelung deutlich schlechter gestellt sind (z.B. auch ich), nachgebessert werden würde. Schade eigentlich!)


Bundeswehr: Frühe Bundeswehr Magirus Deutz Fahrzeuzge für militärischen Einsatz Jupiter 6x6 Pioniere

Bundeswehr.de: PDF: Bundeswehr aktuell Nr. 18

Bundeswehr-Journal: Ministerin plant ein Ende der starren Personalobergrenze

Twitter: Russian military base in Palmyra filmed by Andrey Borodulin  

Bundeswehr.de: Mehr als „nur“ Flecktarn: Das trägt man in der Bundeswehr

Bundeswehr.de: Video: Scharfer Schuss vor Norwegen  

Bundeswehr.de: Bundeswehr präsentiert sich auf der ILA Berlin Air Show 2016 

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TV-Tipp Dienstag:

ARTE: 2155 - 2250: Stalins Rache: Die Angst der Sieger vor der Heimkehr

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