Freitag, 6. November 2015

Fehlende verpflichtende Einberufungsmöglichkeit - "Ein echtes politisches Versagen der Vergangenheit"


Aktuell stehen gleich zwei Artikel auf der Seite des VdRBw, die sich mit der Entwicklung der (beorderten) Reserve im Allgemeinen und dem Reservistenverband im Besonderen beschäftigen (Links s.u.).

Auf den ersten Blick fällt auf, wie die gleichermaßen große Bedeutung von beorderter und allgemeiner Reserve hervorgehoben wird.

Oberst a.D. (MdB) Roderich Kiesewetter (Quelle: VdRBw)

Kiesewetter (klick): Die Bundeswehr muss sich darüber klar werden, was für eine Reserve sie eigentlich haben will. Meiner Meinung nach fokussiert sie sich viel zu stark auf die Beorderten in der Truppen- bzw. Territorialreserve. Sie wird künftig aber deutlich mehr darauf bauen müssen, dass die Allgemeine Reserve mit gut ausgebildeten Leuten zur Verfügung steht. Sie braucht sehr viel top-ausgebildetes und freiwillig engagiertes Personal, das wie in der Flüchtlingskrise schlicht „Manpower“ darstellt. Außerdem sind diese Leute unverzichtbar für die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr – Stichwort Mittlertätigkeit!

Ich will dem gar nicht widersprechen, habe nur die vergangenen 3 Jahre, seitdem ich dabei bin, eher andere Töne dergestalt gehört, dass angesichts knapper werdender Mittel und einer "Mehrwehrt fordernden Bundeswehr" die Zukunft der Reserve eindeutig im Bereich der Beorderten läge. Da scheint der VdRBw jetzt mit Blick auf eine möglicherweise zunehmend unzufriedener werdende Allgemeine Reserve zurückzurudern.

Auch ich habe keine wirkliche Vorstellung, was die Bundeswehr mit der Reserve beabsichtigt. Der enorme Bürokratismus, meint z.B. die 90/5-Exzesse oder sonstige ZDv-Prügel, die engagierten Reservisten nach wie vor und mit unverändert großer Wucht zwischen die Beine geschmissen werden, deutet für mich nicht darauf hin, dass man ernsthaft Interesse an der Manpower und dem Know How der Deutschen Reserve hat.

Fakt ist, dass der VdRBw in den vergangenen gut 5 Jahren rd. 10.000 Mitglieder verloren hat und die Bundeswehr mit 29.000 beorderten Reservisten Lichtjahre von dem erklärten Ziel von 60.000 entfernt ist.


Oberst i.G. Benedict Freiherr von Andrian-Werburg
(Quelle: VdRBw / Eberhard Grein)

Von Andrian Werburg (klick): Die Lage der Reserve bewertete Oberst Benedict Freiherr von Andrian-Werburg, Leiter des Kompetenzzentrums für Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr, als die einer Umbruchssituation. Über 60.000 beorderte Reservisten habe die Bundeswehr im Ergänzungsumfang vorgesehen, tatsächlich seien es derzeit aber nur knapp 29.000. Bei der Personalbedarfsdeckung sieht er Handlungsbedarf, der sich nicht allein darauf beschränken darf, ausscheidende Zeitsoldaten für die Reserve zu gewinnen. Für die ausscheidenden aktiven Soldaten aber gelte: "Kein geeigneter Reservist darf verloren gehen!"

In dem Beitrag "Gemeinsame Plattform für alle Reservisten" sind mir zwei Aussagen unseres Verbandspräsidenten aufgefallen, die ich an dieser Stelle zugegebenermaßen aus dem ganz anders gemeinten Zusammenhang reiße:
  1. Es ist nach wie vor nicht einfach für Reservisten, ihre Arbeitgeber vom Sinn einer freiwilligen Reservistendienstleistung zu überzeugen. Hier liegt ein echtes politisches Versagen aus der Vergangenheit vor: Unser Land kann nicht mehr verpflichtend die Reserve einberufen, reine Freiwilligkeit in Notlagen hilft nicht weiter. ...
  2. Das ist zwar eine wichtige Aufgabe, aber bei 3,6 Millionen Betrieben in Deutschland und knapp 30.000 Beorderten spielt die Reserve in der Wirtschaft nur eine sehr kleine Rolle.
Beide Aussagen sind zweifellos richtig. Nur möchte ich sie in einen anderen Kontext bringen:

Wenn einerseits die Erkenntnis gereift ist, dass sich die verlorengegangene verpflichtende Einberufung von Reservisten als ein Riesen-Hemmschuh erwiesen hat - in erster Linie für die betroffenen Kameraden, aber daraus unmittelbar resultierend auch für die Bw- und andererseits der Sachverhalt von der Bedeutung für die Wirtschaft praktisch keine Rolle spielt, warum hat man das Rad dann nicht längst zurückgedreht? Deswegen muss man ja nicht gleich die Allgemeine Wehrpflicht wieder aufleben lassen.

Dass das nämlich auch ganz anders geht, habe ich mit großem Erstaunen dieser Tage meiner Tageszeitung  (DIE RHEINPFALZ) entnommen. 
So führte der DRK-Präsident Rudolf Seiters in einem Interview aus, dass zumindest bei den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren und dem THW der Anspruch auf generelle Freistellung und Lohnfortzahlung bestehe"
Auch wenn das DRK "so weit nicht gehen will", meine ich, was für Rot und Blau gesetzlich offenkundig möglich ist, muss für die Helfer in Flecktarn allemal möglich sein!
Warum wird hier seitens Bundeswehr und VdRBw nicht massiv Druck auf die Politik gemacht!?



O.k. - ändern wird sich doch nichts. Den Zahn habe ich mir bereits gezogen.

In diesem Sinne ein schönes Wochenende!


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Aufgefallen:

Süddeutsche: "Die Bundeswehr braucht neuen Zulauf. Koste es, was es wolle."

Bundeswehr.de: 60 Jahre Bundeswehr: Großer Zapfenstreich in Berlin (11. November 1800)

Spiegel Online: Waffen nach Mexiko: Staatsanwaltschaft klagt Ex-Mitarbeiter von Heckler & Koch an




Bundeswehr.de:
Flugabwehrsystem Mantis

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TV-Tipp Freitag:

PRO 7: 2015 - 2230: Atemlos - Gefährliche Wahrheit (Actionthriller)

            2230 - 0035: Java Heat - Insel der Entscheidung (Actionfilm)

ARD:   0120 - 0258: Gejagt - Auf Leben und Tod (Abenteuerdrama)

RTL II: 2015 - 2235: The Town - Stadt ohne Gnade (Thriller)


TV-Tipp Samstag:

VOX:   2015 - 2210: Welcome to the Jungle (Action Komödie)

RTL II: 2015 - 2225: Ironclad (Historiengemetzel)

Bayern: 2015 - 2140: Balduin, der Geldschrankknacker (Louis de Funès)

SAT 1: 2300 - 0055: Shaft - Noch Fragen! (Copthriller)

ZDF:    0100 - 0240: Pitch Black - Planet der Finsternis (SciFi-Thriller mit Vin Diesel)


TV-Tipp Sonntag:

RTL: 2015 - 2305: James Bond 007 - Skyfall

         2305 - 0050: Transporter - The Mission (Actionthriller)

Arte: 2015 - 2230: Superman






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