Montag, 9. März 2015

Überprüfung der persönlichen Dienstfähigkeit - und kein Ende - Episode 1




Mein Lieblingsthema "truppenärztliche Tauglichkeitsprüfung" - ich berichtete gerade vor 14 Tagen hier darüber und davor hier und dort, hat mich schneller und unmittelbarer wieder eingeholt, als ich mir das "erträumt" hätte.

Habe doch auch ich am Samstag jetzt 'liebe Post' vom hiesigen Karrierecenter erhalten, mit der Bitte mich binnen 10 Tagen zur 'ärztlichen Untersuchung' vorzustellen und "sofort anzurufen", sofern ich "aus wichtigem Grund den Termin nicht einhalten kann".



Ich sagte mir spontan: "Mensch Klasse, kommst Du endlich wieder mal nach XXXXX! Sind ja von deinem Arbeitsplatz nur 230 km!! Und als voll beruftstätiger aktiver Reservist und Familenvater von drei Söhnen hast Du eh gerade nichts Besseres vor - das trifft sich doch hervorragend!"

Und jetzt mal ehrlich, nach meiner Grunduntersuchung für die Beorderung Ende 2012 (T2), liegt die letzte Untersuchung - und zwar das volle Programm, ich habe mir das gerade von einem aktiven Truppenarzt bestätigen lassen- jetzt ja schon lange 5 Monate zurück:
  • Hörtest
  • Sehtest
  • Urinanalyse
  • Puls Ruhe /Belastung
  • Blutdruck Ruhe/Belastung
  • BMI
  • Ganzkörperuntersuchung mit pers. Arztgespräch
  • Zahnarztbesuch
  • ellenlange med. Fragebögen (mind. 2)
Also ewige fünf Monate und wieder nur T2 - da muss man einfach mal wieder nachsehen, nee - schon klar, insbesondere auch angesichts meiner Spezialverwendung (KpTrp-Soldat)! Eine Beurteilung nach Aktenlage muss da -als nachgerade fahrlässig- ausscheiden!!

Die aktiven Soldaten im Normalbetrieb kann man angesichts solcher, Reservisten entgegengebrachter Fürsorge, nur bedauern. Die dürfen  nämlich nicht alljählich -oder gar halbjährlich oder noch öfter- zum Onkel Doktor gehen, um sich zu beweisen!
Die bedauernswerten Kameraden - ständig mit dem Zweifel leben zu müssen:  "Bin ich überhaupt noch dienstfähig?"

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O.k., ich bekenne, meine Gemütswelt nach Öffnen des Poststücks nicht ganz zutreffend wiedergegeben zu haben. Tatsächlich war ich (und bin ich) stinksauer.  In eigener Sache, aber insbesondere deswegen, weil diese beschriebene Vorgehensweise bei weitem keinen Einzelfall darstellt, sondern durchaus "gängige Praxis" ist, wie ich von Kameraden weiß  (siehe auch die obigen Blogbeiträge).

Meine Frau, der ich es abends erzählte, meinte nur, ohne nachzudenken:
"Bist Du sicher, dass die euch Reservisten überhaupt wollen?"


Fortsetzung folgt .......


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Aufgefallen:

Augen Geradeaus: Stichwort EU-Armee - alle Jahre wieder?

DIE WELT: Abschirmdienst warnt vor Islamisten in der Bundeswehr

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TV-Tipp Montag:

ARTE:    2015 - 2220: Serpico (Kriminalfilm)

Kabel 1: 2015 - 2220: Takers (Gangsterkrimi)

NDR:     2345 - 0120: Mein Kriegswinter (Kriegsdrama)  


Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    ich lese Deinen Blog schon einige Zeit mit großem Interesse. Gerade auch, weil ich mir vorstellen könnte, mich wieder militärisch zu engagieren (außerhalb der RK).

    Nun macht mich Dein Bericht außerordentlich nachdenklich. Da gibt es Menschen in unserem Land, die freiwillig Dienst in einer RSU-Kompanie leisten wollen. Man bespricht sich mit seiner Familie und dem Arbeitgeber; die wahrscheinlich keine Luftsprünge machen werden. Um sich dann solchen Methoden aussetzen zu müssen? Ich fasse es nicht. Dass zu Beginn eine Tauglichkeitsuntersuchung durchgeführt werden muss, dürfte ja unbestritten sein. Aber was sollen diese Untersuchungen 2 x im Jahr? Oder noch öfter? Können die mit ihren Untersuchungsmethoden sämtliche Krebsarten feststellen? Alzheimer, Demenz oder Herzinfarkte voraussehen? Nein, ich denke nicht in diesem Rahmen. Jeder der Kameraden dürfte doch so verantwortungsbewusst sein, dass er sich bei Krankheit etc. direkt in ärztliche Behandlung begeben wird. Was soll das? Ich bin schwer erkrankt und schleppe mich trotzdem zu einer ResDL? Für so eine Organisation fehlt mir jegliches Verständnis. Gerade weil alles auf freiwilliger Basis läuft und man ja für diesen Spaß Urlaub nehmen muss.

    Und wenn ich dazu noch den ein oder anderen Bericht über Beförderung, Einkleidung, Material lese…fällt mir nichts mehr ein.

    Beste Grüße
    Jo

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    1. Hallo Jo,

      ja, es ist nicht einfach mit Familie und Arbeitgeber, bei unserem doch recht zeitintensiven Hobby. Beim einen mehr, beim anderen weniger. Zusätzlich macht uns die Wehrverwaltung völlig unnötigerweise das Leben schwer. Aber das hat sich schon gebessert. Ist schon einiges auf den rechten Weg gekommen. Im Moment ärgern sie uns halt mit dem Truppenarzt. Aber auch hier ist das vermutlich einfach nur Schlamperei und Ahnungslosigkeit, was es für uns aber auch nicht besser macht. Im Moment ist -nach der 'Neumusterung' für die Beorderung 1x pro Jahr eine Untersuchung fällig. Das ist nach meinem Geschmack zuviel, da habe ich keine Lust drauf. Die Hemmschwelle, bzw. Schmerzgrenze liegt da bei jedem anders. Ich denke aber, dass Viele Hinschmeißen, weil sie das Theater nicht länger mitmachen wollen. Muss jeder für sich entscheiden. In meinem Fall bin ich jetzt gespannt, wie es weiter geht. Trotzdem solltest Du Dich nicht entmutigen lassen. Die Sache an sich ist eine Gute. Wir haben sehr viel Spaß, Kameradschaft, Sicherungseinsätze und natürlich Lerneffekte. Es lohnt sich also - bleib dran. Weitere Besserung, was die Verwaltung angeht, ist angekündigt. Man munkelt, dass künftig die Untersuchung im 3-Jahresturnus erfolgen soll. Also wie gesagt, man braucht ein dickes Fell, aber dafür bist Du live bei der Bundeswehr ;-)

      Gruß
      Michael

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  2. Grüß dich Michael,
    wie ich schon in der FB Gruppe schrieb scheint diese Vorgehensweise nicht Flächendeckend durch die Republik zu gehen, sondern eher je nach LKdo. Hier in NRW ist mir dieses prozedere nicht bekannt. Lediglich vor Lehrgänge und/oder Übungen wird ein 90/5er gefordert ( Kleine Musterung). Dies ist jedoch relativ vertretbar verstehe aber euren Unmut vollkommen. Sollte sowas hier in NRW auch mal so vollzogen werden, wird dies definitiv das Ende für mein Engagement RSU sein! Am besten finde ich den Teil der Unterlagen die du mitbringen sollst. Hier sticht ganz besonders der "Schwerbehinderten Ausweis" hervor!!!! Wusste gar nicht das bei der BW " Schwerbehinderte" tätig sind und wie sowas möglich wäre bei diesen Kriterien bei den Musterungen. Kopf hoch ...Durchhalten Kamerad ! Gruß Michael

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