Dienstag, 28. Oktober 2014

Verteidigungsausschuss fordert Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung des Reservistendienstes

Der Reservistenverband berichtet einerseits von der gemeinschaftlichen Forderung von Bundeswehrverband und VdRBw hinsichtlich einer jährlichen Debatte zur Sicherheitspolitik, wie auch dem Antrag des Verteidigungsausschusses auf Prüfung von Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung des Reservistendienstes.


 (Oberst a.D. Roderich Kiesewetter - Quelle: VdRBw)

"In der Drucksache 18(12)275 des Verteidigungsausschusses vom 14. Oktober dieses Jahres wird beantragt, "Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung des Reservistendienstes zu prüfen, zeitnah einzuleiten und mit den notwendigen Haushaltsmitteln in der mittelfristigen Finanzplanung zu unterlegen". Kiesewetter dazu: "Ohne den Einsatz von Reservisten kann die Bundeswehr ihren Auftrag nicht erfüllen. Deshalb müssen wir die Engagierten und Motivierten an die Truppe binden.""
"An konkreten Vorschlägen mangelt es in dem zweiseitigen Papier nicht. Viele Punkte sind seit langem nicht klar geregelt oder verursachen Ärger bei Reservisten und Truppenteilen. So sollen Reservisten endlich eine eigene PKI-Karte für Dienstrechner sowie eine LoNo-E-Mail-Adresse erhalten. Die administrativen Verfahren im Zusammenhang mit einer Reservedienstleistung sollen überarbeitet, flexibilisiert und vereinfacht werden. Dabei wird an die Möglichkeit gedacht, dass künftig der Übungstruppenteil einberuft. Es soll verbindliche Einsatzpläne und Personalentwicklungskonzepte auch für Reservisten geben. Die Besoldung soll der von aktiven Soldaten im selben Dienstgrad entsprechen. Künftig sollen zivil anerkannte Zertifizierungen auf militärische Ausbildungsgänge angerechnet werden. Zudem soll der Stellvertreter des Generalinspekteurs aufgewertet werden. So stellen sich die Politiker vor, dass er künftig der Inspekteur der Reserve ist - mit einer einhergehenden sichtbaren Struktur im Verteidigungsministerium. Und besonders wichtig: Arbeitgeber sollen finanzielle oder andere Leistungen erhalten, wenn sie Reservisten für die Bundeswehr freistellen. "Dies alles zusammen ist ein Gesamtpaket, das sich sehen lassen kann, wenn wir das parlamentarisch durchbekommen", sagt Roderich Kiesewetter, selbst Bundestagsabgeordneter der CDU."
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Das sind in der Tat alles sehr interessante und höchst begrüßenswerte Ansätze, die hoffentlich zeitnah durch das Parlament gehen und dann Umsetzung finden. Wir sollten das alle in unserem Abendgebet mit aufnehmen!!

Dabei hätte ich es allerdings für vordringlicher gehalten, dass nicht nur "die administrativen Verfahren im Zusammenhang mit einer Reservedienstleistung überarbeitet, flexibilisiert und vereinfacht werden", sondern zunächst einmal in gleicher Weise die administrativen Verfahren im Zusammenhang mit dem Umgang von engagierten Reservisten ganz grundsätzlich und im Allgemeinen!

Was da tagtäglich -auch nach Ausräumen der normalen Anlaufschwierigkeiten- im RSU-Alltag immer noch zu vernehmen ist, treibt einem die Haare durch den Gefechtshelm und ist bestens dazu geeignet, den einen oder andere hochmotivierten Reservisten und potentiellen RSU-Soldaten schon frühzeitig -oder doch auf Sicht- zu veranlassen, sein persönliches Engagement zu überdenken. 

in etwa so
(Quelle wikipedia GNU-Lizenz für freie Dokumentation)

Um nur einen Bereich zu nennen, der uns alle bewegt - die Tauglichkeitsuntersuchung (90/5):

  • Da werden Kameraden in 2014 nicht einmal, nicht zweimal, sondern gar dreimal zur Untersuchung befohlen (selbstverständlich sind hier Fälle angesprochen, bei denen die Tauglichkeit bereits bestätigt war).
  • Oder warum werden beorderte Reservisten überhaupt schlechter gestellt, als aktive Soldaten?! Letztere kämen nicht im Traum darauf, sich alljährlich einer Musterung zu unterziehen, wie das für RSU-Soldaten zurzeit gängige Praxis ist?! Der aktive Soldat geht genauso zuverlässig oder unzuverlässig unter der Zeit zum Truppenarzt, wie das ein Reservist im zivilen Bereich tut. Ich vermag da keinen Unterschied erkennen.
Die Liste der Ärgernisse -teilweise Marginalien, aber doch den Einsatzalltag erschwerend und nervend- kann beliebig erweitert werden:
  •  oftmals nicht nachvollziehbare Bearbeitungszeiten für eine RSU-Beorderung, 
  • zu späte, falsche, nicht abgestimmte Beförderungen (Mannschafter)
  • unflexible Handhabung bei der Reservisteneinkleidung
  • nicht im Bilde befindliche Kleiderkammern, was das aktuell genehmigte Ausstattungssoll von RSUKr angeht (warum werden die Schlafsäcke zum Teil immer noch nicht ausgegeben)
  • nicht nachvollziehbare Ausstattungseinschränkungen bei RSUKr (wieso kann ein RSU-Soldat nicht den ganz normalen Kampfrucksack bekommen)?
  • ATN-Frage bei zu beordernden Dienstgraden (habe ich nur am Rande mitbekommen, scheint aber ein Riesenproblem zu sein - warum?)
  • und
  • und
  • und
  • ....
Die Bundeswehr ist ein großer Arbeitgeber, das Bundeswehrpersonalamt in Zeiten knapper Resourcen naturgemäß ein Riesenapparat mit seinen Problemen.

Gleichwohl erscheint es mir dringend geboten, engagierte Reservisten (eine ebenfalls knapper werdende Resource), nicht als (gefühlt) hinzunehmenden Appendix zu behandeln (und dadurch auszubremsen), sondern sie im Gegenteil auch und gerade durch die Verwaltung in ihrer Eigenschaft als ehrenamtliche hochmotivierte Kräfte in jeder Hinsicht zu fördern und zu unterstützen.

DAS würde Reservistenarbeit attraktiv machen!!




TV-Tipp Dienstag:

Super RTL: 2015 - 2320: Harry Potter und die Kammer des Schreckens 

Phoenix:     2015 - 2145: Unterwegs in der Urzeit (Doku) 










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Was mir sonst noch aufgefallen ist:





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