Dienstag, 29. Oktober 2013

Altersstruktur und Einsatzbereitschaft der RSUKr


Der Blogeintrag vom Samstag -hier noch ein sehr schöner Bericht vom LKdo Bayern- hat im Kommentarbereich zu einer kleinen Diskussion geführt, was ich ausdrücklich begrüße!

Unter anderem erreichte mich der nachstehende anonyme Kommentar, der mich anregte, ihn zum Gegenstand einer eigenen Betrachtung hier im Blog zu machen:

Da es dich wohl auch betrifft sage ich vorweg: ist nicht böse gemeint. Aber die Altersstruktur in den RSUKr ist wirklich nicht perfekt. Ich habe kein Verständnis dafür, dass man Leute die seit 40 Jahren keinen Fuß in die Bw gesetzt haben, von Tuten und Blasen keine Ahnung mehr haben und körperlich einfach nicht mehr mitspielen können (Untersuchung und BFT hin oder her - mit 50+ ist man nicht mehr fit) mitspielen lässt. Damit machen sich die RSUKr lächerlich und es schwächt die Einsatzbereitschaft der Kompanien.

In einem ersten Reflex ist man versucht, dem Schreiber uneingeschränkt Recht zu geben und einzugestehen, dass die Altersstruktur in den RSUKr -lassen wir diese Pauschalaussage im Moment für die Folgebetrachtung einmal so stehen- tatsächlich nicht perfekt ist. Zumindest solange nicht, wie dort so Überbleibsel aus dem Kalten Krieg wie bspw. ich dort Dienst tun!

Bei genauerer Betrachtung muss sich allerdings -abgesehen davon, dass nichts auf dieser Welt perfekt ist- sofort die Frage anschließen: "Perfekt" - perfekt eigentlich für was

Rufen wir uns uns also zunächst die Bedeutung der drei Buchstaben "RSU" ins Gedächtnis. Es handelt sich eben um keine Abkürzung für eine neu entstehende, geheimnisvolle Kommandotruppe und auch nicht um Objektschutzeinheiten, die an den Brennpunkten dieser Welt zum Einsatz kommen, sondern vielmehr um Regionale Sicherungs- und Unterstützungskräfte, deren Primärverwendung sich bereits aus dem Namen ableitet - nämlich Sicherungs- und Wachaufgaben z.B. in militärischen Anlagen oder bei kritischen Infrastrukturen.


Warum sollte ein theoretisch und praktisch auf den aktuellen Stand gebrachter 50+ -Kamerad nicht in der Lage sein, derartige Aufgaben ordnungs- und weisungsgemäß zu übernehmen? Erste persönliche Erfahrungen aus einem mehrtägigen Auftrag gemeinsam mit aktiven Kameraden haben genau dies bewiesen. Die Jungs von der aktiven Truppe waren durchaus angetan, um nicht zu sagen beeindruckt, vom Einsatz der RSU-Soldaten.

Unser Kontingent konnte leider nicht in der vorgesehen Stärke antreten, was dazu führte, dass wir -im Gegensatz zu den Aktiven- eben keine 8-, sondern kurzerhand 16-Stunden-Schichten fuhren. So einfach werden Personalprobleme bei der RSUKp RP gelöst. Während wir uns am Ende des Einsatzes noch im Laufschritt für das Schlussantreten fertig machten, war der erste wartende Aktive bereits "stehend K.O." auf der Treppe des Kompaniegebäudes eingeschlafen. Wir Reservisten waren die ersten, die ihre Posten bezogen und die letzten die davon abgezogen wurden!

Und genau da liegt die Krux der RSUKr, soviel glaube ich inzwischen schon sagen zu können. Die Einsatzfähigkeit und Einsatzbereitschaft der Reservisten wird nicht durch den Altersdurchschnitt - der wird durch ein außerordentliches Engagement der Kameraden kompensiert-, sondern vielmehr erheblich durch die mir leider unverständlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen eingeschränkt, die sich im Wegfall der verpflichtenden Heranziehung manifestieren.

Solange ein (zumal kurzfristig) angesetzter Einsatz der RSUKr von der gerade vorhandenen Bereitschaft deren Arbeitgeber, diese freizustellen, abhängt, muss eine effektive Einsatzbereitschaft tatsächlich in Frage gestellt werden. Das ist das wirkliche Problem und sonst gar nichts!

Weitere Verwendungen für die RSU ergeben sich bei Katastrophenereignissen. Da wird beim Sandsackstapeln der 25-Jährige i.d.R. (ich kenne andere Beispiele) länger durchhalten, als der "50+". Ich mache mir auch keine Illusionen. Hätten sich beim Aufruf der RSUKp RP aus dem Stand 133 25-Jährige gemeldet, wäre ich nicht mit dabei - keine Frage. Haben sich aber nicht. Das ist nun mal so - meiner Beobachtung nach überwiegend in den anderen Bundesländern auch nicht. Wenn dem irgendwann so sein sollte und die Option einer möglichen 2. Kompanie ausgeschöpft wurde, werde ich darüber nachdenken, meinen Platz zu Gunsten eines Jüngeren zu räumen :-)

Also nochmal: Mit den RSU-Kräften entsteht keine Konkurrenzveranstaltung zu Bundeswehr-Einsatzkompanien. Auch sehen sich die RSUKr sicherlich nicht in der Pflicht, sich in einem ständigen Leistungsvergleich mit den Aktiven beweisen zu müssen. Ganz im Gegenteil, die RSU-Kräfte wollen die aktive Truppe in der Heimat unterstützen, bzw. entlasten. Und dies nach Kräften, so gut es eben (aus den verschiedensten Gründen) möglich ist. Dabei zeigen wie gesagt erste Erfahrungen aus der Praxis, sowohl im Wach-, wie auch im Katastrophenschutzbereich, dass es sehr gut möglich ist. Auch und gerade mit hochmotivierten, lebenserfahrenen Reservisten.

Die vielen jungen RSU-Ranger mögen mir an dieser Stelle bitte nachsehen, dass sie in dieser Betrachtung eben etwas zu kurz gekommen sind. Die RSUKr sind nämlich -allen Unkenrufen zum Trotz- keine AH-Veranstaltung!

In diesem Sinne ;-)





TV - Tipp Dienstag:

Phoenix: 2015 - 2100: Verdammte See - Versenkt die Bismarck

               2100 - 2145: Verdammte See - Das Geheimnis von U166
        






Kommentare:

  1. Kann ich so voll unterschreiben: RSU SU 48 Jahre......

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  2. Ich auch RSU SU 50 Jahre

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